Aufwachsen in einer individualisierten Gesellschaft – Moderne Kindheit als psychosozialer Möglichkeitsraum in dem dialektisch verstanden Verhältnis von Vergesellschaftung und Individuation

Deborah Nägler, M.A.

In dem Dissertationsprojekt „Aufwachsen in einer individualisierten Gesellschaft – Moderne Kindheit als psychosozialer Möglichkeitsraum in dem dialektisch verstanden Verhältnis von Vergesellschaftung und Individuation“ geht es um eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Übergang der mittleren Kindheit in die Frühphase der Adoleszenz, die es zulässt sowohl die subjektive als auch die objektive Dimension des Aufwachsens und der Übergangsprozesse in dieser Zeit verstehen und reflektieren zu können. Innerhalb des Vorhabens soll dies über die Nutzbarmachung von Vera Kings Konzeption: „Adoleszenz als psychosozialer Möglichkeitsraum“ (2002) für die Lebensphase Kindheit ermöglicht werden. Die erkenntnisleitende Fragestellung des Vorhabens eröffnet die Perspektive darauf, wie psychosoziale Möglichkeitsräume als Übergangsräume gestaltet und hergestellt werden. In der Dissertation geht es damit sowohl um eine empirische als auch konzeptionell theoretische Auseinandersetzung des Übergangs von der mittleren Kindheit zur Frühphase der Adoleszenz. Als theoretisches Fundament dient eine Verknüpfung der erkenntnistheoretischen Positionen von Alfred Lorenzer und damit einer psychoanalytischen subjektorientierten Perspektive mit Pierre Bourdieu‘s gesellschaftstheoretisch strukturorientierter Perspektive in der Denkfigur psychosozialer Übergangsräume. In Analogie zu der theoretischen Konzeption sollen in der empirischen Analyse die Tiefenhermeneutik sowie die Sozialraumanalyse als Mehrebenenanalyse einen methodologischen Zugang zu Interviews mit Kindern im Alter von 9 bis 11 Jahren und Protokollen der teilnehmenden Beobachtung dieser Kinder in ihren schulischen und außerschulischen Kontexten eröffnen. Über die Konzeption psychosozialer Übergangsräume ergibt sich so ein Zugang zu der Analyseebene der Individuen, der es aber auch ermöglicht die institutionellen und diskursiven Ebenen von Übergangsprozessen kritisch zu reflektieren und damit ein Verständnis für die Entstehungs- und Herstellungszusammenhänge von ebendiesen entwickeln zu können.