Übergänge als Menschenführung? Zur Ambivalenz der politischen Interessenvermittlung in der Migrationsgesellschaft

Nils Klevermann, M.A.

Trotz des weiterhin eingeschränkten Zugangs zu formalen politischen Entscheidungsprozessen in Deutschland werden Migrant*innen zunehmend aufgefordert, ihre Interessen in situativen und themenspezifischen Meinungs- und Willensbildungsprozessen zu artikulieren. Um diesen Übergang politischen Partizipation zu bewältigen, müssen implizite und explizite Anforderungen durch die Subjekte erfüllt werden. Der Übergang entscheidet somit über die politische Teilhabe. Migrantische Organisationen gelten als Ort der Politisierung, in denen sich ein Übergangsmilieu entwickelt, das den Subjekten ermöglicht, die aufgestellten – und ausgehandelten – Anforderungen zu bewältigen. Ist der jahrzehntelange Kampf der Migrant*innen, ihre politischen Interessen wirksam zu vertreten, letztlich bereits gewonnen? Oder: Lassen sich diese Veränderungen als jene Regierungsweise deuten, die Foucault in seinem Konzept der Gouvernementalität zu fassen versucht?

Mittels Interviews mit Vertreter*innen bundesdeutscher Behörden und politisch aktiven Migrant*innen sowie zentralen Dokumenten wird analysiert, welches (Diskurs-)Wissen im Übergang in politische Planungs- und Entscheidungsprozesse sichtbar wird. Auch geht es um die Frage, welche Strategien Subjekte in der Bewältigung und (Mit-)Gestaltung dieses Übergangs entwickeln. Die Studie geht von der These aus, dass die Herstellung des betrachteten Übergangs mit einer Differenzkonstruktion nach ethnisch-kulturellen Gesichtspunkten die Selbstführung von Migrant*innen im Sinne eines Integrationsverständnisses fokussiert, das sich an einem dynamischen Sicherheitsdispositiv orientiert.